5 EUR in die Chauvikasse II
Er hält seinen behinderten erwachsenen Sohn an der Hand und erzählt mir aus seinem Leben. Der Schreck über das Kind mit Down-Syndrom, dann aber die große Freude über jeden Entwicklungsschritt des Sohnes, der zum Glück keine weiteren Krankheiten habe. Das schöne Leben als Familie, viele glückliche Jahre, nun ist die Frau vor ein paar Jahren an Krebs gestorben.
Er wohnt in einer unserer Nachbarstädte, ist schon lange Rentner und kümmert sich nun alleine um den erwachsenen Sohn, der die ganze Zeit lächelnd da steht und an den passenden Stellen nickt. Er kümmere sich um den Sohn, obwohl er nun wisse, dass er gar nicht sein Sohn sei. Die Frau habe ihn vor Jahren beschissen, er wisse aber jetzt erst anhand ihrer Tagebücher davon. Er habe sich schon gewundert, einen behinderten Sohn hätte er doch nie gezeugt. Nun sei es aber, wie es sei, der Sohn könne ja nichts dafür. Klar könnte er sich ein schönes Rentnerleben machen und sei nun an diesen Sohn gefesselt, der zwar stundenweise in einer Tagesstätte sei, aber trotzdem...
"Ähm, entschuldigen Sie, dass ich Sie unterbreche, aber finden Sie das gut, das alles vor ihm zu erzählen ? Auch wenn er behindert ist, kriegt der das doch mit." "Nee, nee, der kriegt nüscht mit, glauben Sie mir."
Er erzählt, dass er an den Tagen, an denen er den Sohn in der Tagesstätte hat, auch gern mal zum Sport und danach in die Sauna geht. "Da laufen so junge Mädels rum, die sind alle untenrum rasiert." Er leckt sich die Lippen. "Das sieht so schön aus, so rasiert, keine Haare, ich kann diesen Pelz nicht leiden." Gespannt schaut er mich an. "Ich kann notgeile alte Böcke nicht leiden." "Ach", sagt er, "kommen da welche hier rein?"